Rheinau

Idyllisch gelegen in einer Doppelschlaufe des Rheins am äussersten Zipfel der Schweiz, kann Rheinau auf eine lange Geschichte zurückblicken.


Kelten, Germanen und christliche Kulturlandschaft

Schon in prähistorischer Zeit besiedelt, umspannt das weitherum grösste, vielfältige keltische Oppidum die heutigen Städtchen Rheinau und Altenburg beidseits des Rheins. Die Archäologie stösst bis heute auf interessante Fundstücke.

Bauliche Überreste aus der Römerzeit zeigen, dass hier die bewehrte Grenze verlief, an der die kriegerisch wandernden Germanen ein paar strenge Jahrhunderte lang aufgehalten wurden. Gerade das Germanentum, das sich mit dem unterworfenen keltischen Element verbunden hatte, entwickelt dann aber aus Einsiedler- und frühen Mönchsgemeinschaften heraus die einmalige Verbindung von Tätigkeit und Innigkeit der frühen christlichen Kultur. So auch auf der Rheinauer Klosterinsel.

An solchen Zentren der Spiritualität und des handwerklichen und landwirtschaftlichen Schaffens verdichtet sich der mittelalterliche Rodungs- und Kultivierungsimpuls. Durch ihn wird der wilde Urwaldkontinent vom Frühmittelalter an nach und nach in die einmalige europäische Kulturlandschaft verwandelt, die noch bis ins 19. Jahrhundert intakt besteht.


Psychiatrie

Nachdem Dorf und Abtei Rheinau die wechselhafte Geschichte des Spätmittelalters, der Renaissance und der frühen Neuzeit durchlaufen haben, wird das Kloster 1862, nicht lange nach dem Bau des Barockensembles auf der Insel und dem benachbarten Festland, säkularisiert und zur „Irrenanstalt“ gemacht. Heute Teil der Psychiatrischen Universitätsklinik PUK Zürich, spiegelt ihre Entwicklung  den Wandel der psychiatrischen Doktrinen der letzten 140 Jahre. Ist sie in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts die grösste der Schweiz, so schrumpft sie danach rasch so weit, dass die Insel im Jahr 2000 geräumt wird.

Von der Anstalt / Klinik, wie vordem vom Kloster, werden auch rund 140 ha Land bewirtschaftet. Mitte der neunziger Jahre ist indes klar geworden, dass eine Privatisierung aus verschiedenen, nicht zuletzt ökonomischen Gründen unumgänglich ist. Der dafür ausgeschriebene Konzeptwettbewerb wird mit dem Konzept „Ouverture“ von den Initianten des heutigen Projekts Fintan gewonnen.


Mit Projekt Fintan ins 21. Jahrhundert

An Ostern 1998 übernimmt die private, ökologisch-sozial orientierte Stiftung Fintan – durch eine kleine Gruppe von Initianten eigens dafür gegründet – die Ländereien und die vielen, teils historischen Bauten des Gutsbetriebs der Psychiatrischen Klinik Rheinau in einer 30-jährigen Pacht vom Kanton Zürich (mittlerweile bis 2037 verlängert). Vorangegangen sind seit Herbst 1995 intensive Konzept-, Vorbereitungs- und Verhandlungsarbeiten. Später folgen Zumieten weiterer Gebäude.

Wie von Anfang an vorgesehen, zieht sich die Stiftung nach Projektbeginn schnell aus allen wirtschaftlichen Tätigkeiten heraus. Stattdessen entstehen mehrere rechtlich und wirtschaftlich selbständige Fintan Betriebe, die unter dem Dach der Stiftung eng zusammenarbeiten und einen gemeinsamen Umsatz von heute über 9 Mio Franken erzielen. Mehr als 100 Menschen haben hier gegenwärtig ihren Lebens- und/oder Arbeitsplatz, zum Teil im geschützten Rahmen.

Neben den vielen notwendigen baulichen Anpassungen werden auch grössere Investitionen vorgenommen: Für Renovation und Ausbau des ehemaligen „Frauengästehauses“, dem Fintan-Kerngebäude am Klosterplatz, für die Terrassierung des Rebbergs Chorb und für den Ausbau des Weilers Zum Pflug mit Neubauten eines grossen Laufstalls und 2 grösseren Wohnhäusern für Sozialtherapie und Landwirtschaft sowie Ausbau des freigewordenen alten Stalls mit Werkstätten.

Nach zehn Jahren Erfahrung wird die Organisationsstruktur in einem gründlichen Prozess ab 2008 geprüft und angepasst. Die vorher mit selbständiger Trägerschaft arbeitende Sozialtherapie wird der Stiftung Fintan eingegliedert. Der bisher als Selbstverwaltungsorgan der Fintan Betriebe arbeitende Pachtverein (dem die Stiftung alle Rechten und Pflichte an der Pachtmasse übertragen hatte) wird aufgelöst und der vorher mit externen Stiftungsräten besetzte Stiftungsrat stark erweitert. Er besteht seitdem vor allem aus den Vertreterinnen und Vertretern der Fintan-Betriebsleitungen, ergänzt durch gezielt gewählte Externe.

Aus dem Freundeskreis Fintan (ab 2000) ging der von Fintan unabhängige Verein Gen Au Rheinau hervor.


Der Name

Seit dem 9. Jahrhundert ist der heilige Fintan aus Leinster spiritueller Pol des noch jungen benediktinischen Inselklosters Rheinau. Er ist der letzte jener iroschottischen Wandermönche gewesen, die dem entstehenden Europa wichtige Impulse vermittelten. Impulse, die sich aus der Verbindung der kosmischen Spiritualität der Kelten mit dem Christentum ergaben.

Daran knüpft – auf moderne Art – Projekt Fintan an.